Trauerphasen

Jede und jeder von uns trauert auf eine ganz eigene Art und Weise. Jede und jeder von uns hat dabei auch ein ganz eigenes Tempo. Es gibt kein richtig oder falsch.

Wir haben die verschiedenen Phasen der Trauer nach dem Traueraufgabenmodell in Anlehnung an W. Worden, R. Neimeyer, D. Klaas, C. Paul und St. Witt-Loers für euch zusammengefasst. Vielleicht erkennst Du ja einiges wieder. Diese Traueraufgaben sind nicht klar voneinander getrennt, d.h. Du durchlebst nicht nacheinander jede Phase. Sie können sich miteinander vermischen, in verändertem Ablauf erfolgen oder noch einmal wiederkehren.

Traueraufgabenmodell

nach W. Worden, R. Neimeyer, D. Klaas, C. Paul, St. Witt-Loers

Überleben, funktionieren, Existenz sichern

Wenn ein Mensch in der Familie oder im näheren Umfeld stirbt, dann stehst Du in einem Spannungsfeld von Gefühlen und Empfindungen und der Frage: Wie geht es für mich weiter? Wer versorgt mich jetzt? Kann ich noch zum Studium oder zur Ausbildung weggehen? Was passiert mit meinem weiteren Leben? Häufig wird die Trauer zurückgehalten, um die Angehörigen nicht noch mehr zu belasten. Erst wenn Du das Gefühl hat, diese sind wieder stabil, kann Dein eigener Trauerprozess beginnen. Manchmal wird Dein Schmerz von anderen aber nicht als Trauerreaktion gesehen und anerkannt, dann ist das ein wirklich schreckliches Gefühl.

Verlust begreifen und als neue Realität akzeptieren

Die schreckliche Nachricht vom Tod erreicht Dich und innerlich erstarrt in Dir alles. So als würdest Du still und um Dich herum dreht sich einfach alles weiter. Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit kann sich breit machen, und manchmal wird der Verlust vom Trauernden nicht akzeptiert. Gibt es nicht die Möglichkeit, sich zu verabschieden (Verstorbenen noch einmal sehen, Abschiedsfeier, Abschiedsworte), wird der Trauerprozess erschwert. Deshalb macht auch ein plötzlicher Tod es so schwer, diesen als Realität zu begreifen.

Trauergefühle und Gedanken wahrnehmen, ausdrücken und bearbeiten

Der Verlust eines Menschen wird in dieser Phase mit allen Sinnen begriffen. Der Verstorbene kommt nie wieder. Die unterschiedlichsten Gefühle können aufkommen: Traurigkeit, Schmerz, Wut, Zorn, Angst, Schuld, Freude,… Um die Trauer gut verarbeiten zu können, ist es wichtig, Deine Gefühle „raus-zu lassen“, sie auszuleben. Wenn Gespräche mit Freunden nicht mehr ausreichen und sie Deine Gefühlsschwankungen nicht verstehen, dann bleib nicht allein mit diesem Gefühlschaos. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten Dir zur Seite zu stehen. (siehe unter H-Hilfe)

Ressourcen aufdecken und aktivieren

Es ist normal zu trauern, wenn Du einen geliebten Menschen verlierst. Keine Angst: diese traurigen Gedanken und die Gefühle von Hoffnungslosigkeit werden nicht ewig Deine Begleiter bleiben. In dieser Phase beginnst Du, dich auf Dinge zu besinnen, die gut tun und gelingen. Zum Beispiel: Bewegung, andere Menschen, Hobbys.

Sich an eine Welt ohne den Verstorbenen anpassen

Die Lücke, die der Verstorbene hinterlässt, bleibt und die Welt verändert sich. Zum Beispiel warst Du vorher „kleiner Bruder“ und bist jetzt vielleicht der Älteste oder Einzelkind. Deine Mutter muss vielleicht die Versorgung der Familie alleine übernehmen oder Dein Vater ist jetzt öfter zu Hause. Deine Aufgaben verändern sich und passen sich der neuen Lebenssituation an.

Neue Verbindung zum Verstorbenen finden

Durch Deine intensive Auseinandersetzung mit der Trauer, dem bewussten Erinnern an die schönen und auch an die weniger schönen Dinge und den Erfahrungen aus der gemeinsamen Zeit kannst Du mit dem verstorbenen Menschen auf eine neue Art verbunden sein. Der Verstorbene muss nicht vergessen werden, er braucht einen neuen Platz. Für den einen sind äußere Plätze wie z.B. das Grab, ein Foto oder ein Erinnerungsort richtig. Für andere ist der Verstorbene als innerer Ratgeber dabei, als Schutzengel oder Begleiter. Bei jedem ist es anders und darf sich auch noch im Laufe der Zeit verändern.

Sinnfindung, Lebenswille, Lebensfreude

Die Auseinandersetzung mit Deinem Verlust, die Suche nach Antworten und das Erzählen der eigenen Geschichte tragen zur Bewältigung bei. Neue Lebenswege werden nun ohne den Verstorbenen begangen und die Freude am Leben kehrt zurück. Manche finden ganz neue Aufgaben, engagieren sich in Hilfsprojekten oder widmen sich anderen Dingen, die sie als sinnvoll empfinden.